Eine Ankunft
Maria war angekommen. Nicht nur, dass sie vor nunmehr fast
zwei Wochen das Haus betreten hatte, sondern sie war gewollt hier. Zunächst war
ein Teil von ihr noch in ihrem alten Leben geblieben, denn nur an einem Ort zu
weilen, heißt noch lange nicht dort zu sein. Bald schon zog dieser nach, der Teil
der sich gewehrt hatte gegen das Hier-sein. Aber warum hatte sie sich
verweigert? Weil wir wohl immer am bekannten hängen, an dem, was wir uns
erarbeitet und aufgebaut haben, ganz gleich ob es uns gut tut oder nicht.
Irgendwann haben wir es uns eingebildet, und dann, wenn wir es haben, dann kann
es doch nicht falsch sein, darf es nicht sein. Es ist immer schwer loszulassen,
denn wir haben Angst vor den leeren Händen, vor dem Moment, da wir unsere Hände
ansehen und meinen nichts mehr zu haben. Doch dann wird uns etwas Neues
hineingelegt, irgendwoher. Es ist unsicher. Zu unsicher. So doch lieber
Sicherheit und Gewohnheit. Aber mittlerweile merkte Maria, dass sie mit
zunehmenden Widerwillen daran dachte wieder weggehen zu müssen, Widerwillen
gegen das, was sie bei dem Praktikum erwartete. Dabei war es doch vor wenigen
Tagen noch das gewesen, was sie sich am meisten gewünscht hatte. Was war nur
mit ihr passiert? War sie denn wirklich so flatterhaft und wankelmütig, dass
sie gerade noch so dachte und im nächsten Moment ganz anders? Und wenn sie auf
dieses Praktikum verzichtete, wäre sie nicht furchtbar undankbar? Undankbar den
Menschen gegenüber, die ihre ganze Hoffnung in sie setzten, die sich
rückhaltlos für sie einsetzten?