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0502 Stille

Stille


Erfahrungen sind unhintergehbar. Be-Gegnungen verändern Dich, und diese Veränderung ist unumkehrbar. Will ich die Be-Gegnung, so muss ich ganz wollen, mich ganz darauf einlassen und mich ganz darin verlieren. Mache ich Abstriche von dieser Ganzheit, so geschieht auch die Be-Gegnung nicht Es ist ein mit offenen Augen in einen schwarzen Bergsee springen, mit dem Kopf voran, denn das Du ist die Unergründlichkeit.

Maria und Joseph: Geschichten für den Advent


Maria und Joseph: Adventgeschichten

Maria und Joseph: Geschichten für Ihren Advent


Maria und Joseph, eine katholische Religionslehrerin und ein evangelischer Pastor, ziehen in einen kleinen Ort. Lebendige Begegnungen geschehen und erzählen wie Miteinander-Leben und Gegenseitig-Helfen funktionieren können.

Maria und Joseph: Ein sonderbares Paar

Maria und Joseph ziehen in einen kleinen Ort und fallen sofort auf, weil sie keinen Fernseher und kein Auto besitzen, doch rasch wird klar, dass dies zwar ungewöhnlich, aber nicht beängstigend ist. Begegnung geschieht auf Augenhöhe, in aller Offenheit und Zugewandtheit. Die Menschen gehen aufeinander zu und beginnen ihre Vorurteile abzulegen. In der Nacht der Weihnacht geschieht so wahrhaft ein Weihnachtswunder, das in all seiner Selbstverständlichkeit Staunen erweckt.

Maria ist für ihre Schüler da

Natürlich ist es für sie wichtig ihren Stoff zu vermitteln und den ihr anvertrauten Kindern etwas Beizubringen, doch es gibt, neben der fachlichen, auch die menschliche Ebene. Ihre Schüler nehmen ihre Probleme und Sorgen mit in den Unterricht. Maria kann es nicht einfach ignorieren, sondern versucht ihnen so gut wie möglich zur Seite zu stehen, und sie lässt sie erkennen, dass sie die Lösung in sich tragen. Oft bedarf es nur einer kleinen Handreichung dies zu entdecken.

Joseph lebt Gemeinde

Joseph ist in seiner Funktion nicht einfach nur Amtsperson, sondern er signalisiert von Anfang an Zugänglichkeit, möchte die Menschen kennenlernen und von ihnen lernen. So geschieht es schon sehr bald, dass diese sich ihm anvertrauen und seine offene Hand annehmen, sich halten und führen lassen, zu dem, was an Kräften und Stärken immer schon in ihnen schlummerte. Er schenkt ihnen die Möglichkeit zu sich selbst. Er ist für sie da, so wie Jesus es einst für die Menschen war, die zu ihm kamen.

Gemeinsam den Advent erleben

Und so erleben sie die Zeit des Advent, des Weges hin zum Weihnachtsfest als eine gemeinschaftsstiftende, die die Menschen nicht auseinander- sondern zusammenführt, erleben eine Ankunft mitten im Leben, dessen integrative und lebenspendende Kraft sich tatsächlich in der Heiligen Nacht in einem ganz besonderen Ereignis, in einer Ankunft, offenbart.

Das Adventkalenderbuch, Maria und Joseph, ein Begleiter durch Ihren Advent wird sie die Botschaft von Weihnachten neu entdecken lassen.

2409 Wie viel Leben verträgt die Liebe?


Wie viel Leben verträgt die Liebe?


Weißt Du noch, ganz am Anfang, dieser Anfang von uns beiden, dieser Anfang von Dir und mir, wo alles neu und aufregend war. Dieser Anfang, da jeder Sonnenaufgang nochmals besonderer war als jeder, den wir zuvor erlebt hatten, und jede Blume noch intensiver duftete und leuchtender strahlte, als jemals in unserem Leben. Dieser Anfang, da der Blick verklärt ist und die ganze Welt neu ersteht, in Deinem und meinem Blick. Dieser Anfang, der wie eine zweite Geburt anmutet. Ein neues Leben, mitten im bekannten. Ein neuer Anfang. Ein neues Leben. Ein neuer Himmel und eine neue Erde. Dieser Anfang, da wir immer Zeit fanden, zu reden und auch zu schweigen. Dieser Anfang, da uns keine Mühe zu schwer war einander doch noch zu sehen oder zu plaudern. Dieser Anfang, da diese Mühe leicht war. Dieser Anfang, da wir uns frei und unbeschwert fühlten, frei in unserer Zuwendung und in unserem Miteinander. Dieser Anfang, von dem wir meinten, dass es niemals enden würde. Bis an die Grenzen der Unendlichkeit und noch viel weiter. Dieser Anfang. Erinnerst Du Dich noch?

Mittlerweile sind viele Jahre ins Land gezogen und dieser Anfang, an den ich immer noch denke, mittlerweile mit ein wenig Wehmut, tritt in immer weitere Ferne. Viele Verpflichtungen bestimmen unser Leben, solche, die uns auferlegt wurden und solche, die wir uns auferlegten. Arbeit um den Lebensunterhalt zu bestreiten. Freizeitvergnügen, bei denen wir auch schon zumeist getrennte Wege gehen. Da waren natürlich auch die Kinder. Doch die sind inzwischen schon groß. Es ist keine Ausrede mehr. Und da ist die Müdigkeit. Vielleicht auch die Gewissheit, dass es einen neuen Tag geben wird, und dass das nicht unbedingt heute sein muss. Es lässt sich verschieben. Morgen werden wir auch noch da sein. Heute bin ich müde. Aber morgen. Vielleicht.

Es ist nichts passiert, nur, dass uns das ganz normale Leben erreichte und wir uns erreichen ließen. Vielleicht wäre es nur notwendig ein wenig mehr Energie aufzuwenden, Mühen auf uns zu nehmen, die jetzt so unendlich schwer zu sein scheinen. Wohin ist die Leichtigkeit verschwunden? An welcher Stelle haben wir unsere Kräfte verloren, so dass wir nur mehr das Notwendigste tun? An welcher Stelle haben wir uns aus den Augen verloren?

Dabei wäre es gar nicht so schwer. Ein paar Minuten nur, draußen zu sitzen auf der Terrasse und davon zu erzählen, was der Tag so mit sich brachte oder vor dem Kamin. Ein paar Minuten den Fernseher abzudrehen. Für eine kurze Zeit das Buch auf die Seite zu legen. Doch es passt nicht. Vielleicht morgen.

Die Blumen blühen so wie immer, Sonnenaufgänge folgen auf Sonnenuntergänge, ohne dass wir darauf achteten. Die Welt ist wieder wie sie immer war. Vielleicht noch ein wenig dumpfer und düsterer als zuvor, vor dem Erleben des Aufblühens. Aber ich kann mich auch täuschen, denn es ist lange her.

Aber vielleicht sollte ich Dich einfach einmal wieder an der Hand nehmen und herausholen aus diesem Leben, das unsere Liebe zu begraben und zu ersticken droht, hinaus an einen Ort, nicht allzu weit, und doch ganz anders, nur um zu sehen, ob es möglich ist die Welt noch einmal so zu sehen wie zu jenem Anfang damals.

1209 Unverhofft


 

Unverhofft


Seit Stunden saß ich nun da und meine Gedanken drehten sich im Kreis. Unbedingt musste ich fertig werden. Der Termin hing wie ein Damoklesschwert über meinem Nacken. Woher kommt überhaupt der Ausdruck „Damoklesschwert“?, ging es mir unvermittelt durch den Kopf, und sofort ging ich daran es nachzuschlagen. Da hatte ich zumindest den Eindruck etwas zu tun. Doch wem machte ich etwas vor? Mir selbst. Immer nur mir selbst. Tat so, als wäre das jetzt wichtig. Doch das war es nicht. Wichtig war die Arbeit, die fertig gemacht werden wollte, und ich kam keinen Schritt vorwärts. Wie ein Hund, der seinen Schwanz jagt, kam ich mir vor, und selbiger setzte sich nun auch noch vor mir hin und winselte. Verstohlen sah ich auf die Uhr. Er wollte raus, sich bewegen. Natürlich, es war höchste Zeit. „Ja, wir gehen gleich“, sagte ich ihm beschwichtigend, aber halbherzig, „Ich mach das da nur noch schnell fertig, dann gehen wir auch. Das musst Du doch verstehen!“ Musst? Natürlich verstand er es nicht, von müssen gar keine Rede. Und selbst wenn er meine Worte verstanden hätte, es wäre ziemlich egal gewesen, denn es war seine Zeit, so wie immer, da wollte er raus und das war seine Art es mir zu sagen. Unbeeindruckt winselte er weiter. Meine Konzentration war nun restlos dahin. Es war eine billige Ausrede, sehr billig, denn auch bevor er zu winseln begonnen hatte, funktionierte nichts. Aber es hat doch immer etwas Entlastendes, wenn man die Schuld auf jemand anderen schieben kann, und den Hund, den störte das nicht. Er ließ nicht nach, bis ich aufstand, verärgert das Halsband nahm und die Leine und mich auf den Weg machte. „Und, bist Du jetzt zufrieden?“, blaffte ich ihn missmutig an, „Jetzt, da Du Deinen Willen bekommen hast?“ Und ja, er war höchst zufrieden. Voller Vorfreude sprang er aus dem Haus, und auf die Straße. Zielstrebig schlug er den Weg in Richtung Wald ein. „Aber wir gehen nur ein bisschen“, hörte ich mich noch sagen, doch es war mehr als schwach. Asphalt unter meinen Füßen, Hundegekläff aus den anderen Gärten. Der Hund, den ich an der Leine führte, hatte es sehr eilig zu schnüffeln. Vom ersten Moment an war er ganz bei der Sache, nur in mir haderten noch zwei Seelen. Die eine, die mir vorwarf so undiszipliniert zu sein, und die andere, die sich vehement vorzudrängen versuchte um den Spaziergang zu erleben. Noch behielt erstere die Überhand, doch sobald wir den Wald betraten, die Geräusche nachließen, die Sonnenstrahlen sich durch die Blätter der Bäume schlängelten, legte ich jegliche Disziplin ab und war da. Atmete die Luft, roch die Erde und spürte den weichen Waldboden unter meinen Füßen. Ich ließ los. Das was ich zu Hause gelassen hatte und jetzt wirklich auch dort war, nicht mehr bei mir. Ich ließ los. Die Gedanken, die mich fesselten an das Problem, das ich umrundet hatte wie ein wilder Tiger. Jetzt hatte ich mich entfernt. Es würde noch da sein, wenn ich nach Hause käme, doch dann wäre es zu spät diese eine Stunde zu genießen, die wir hier verbrachten, die Eindrücke auf- und wahrzunehmen. Einfach hier zu sein, nichts weiter. Meine Gedanken waren noch wenige Meter zuvor durcheinandergewirbelt gewesen, als hätte ein Orkan in meinem Kopf gewütet. Langsam legten sie sich. Ruhe kehrte ein. Schritt um Schritt. Ich ging. Der Hund ging. Wir fanden in einen Rhythmus. Nebeneinander. Rhythmus. Gehen. Stehen bleiben. Wie eine Einheit. Und plötzlich, ohne dass ich auch nur daran gedacht hatte, erhob sich die Lösung aus all diesen Gedanken, die nun endlich Ruhe gaben, erhob sich, klar und einfach. Mit einem Schlag wusste ich was ich zu tun hatte, wie weitermachen, wie vollenden. Und die Antwort war schon immer dagewesen. Ich hatte sie nur nicht sehen können, so sehr hatte ich mich vergraben im Problem. Frohgemut schritt ich neben meinem Hund aus. Und als wir zurückkehrten, da vollendete ich die Arbeit mit aller Leichtigkeit, während mein Hund ruhig und zufrieden neben mir lag. Hatte er gewusst was ich brauchte? Es ist verführerisch das zu denken, aber es tut letztlich auch nichts zur Sache, denn was zählt ist, dass es so geschehen ist. Manchmal, da muss man erst fortgehen um zu sehen wovon man ausging.

3107 Mit dem Strick in der Hand


Mit dem Strick in der Hand


Wehmütig blickt er sich um, der Esel, den ich am Strick führe, zum ersten Mal, wehmütig zurück auf seine Weide und seine Kameraden. Die durften dort bleiben und weiter grasen und hin gehen wo sie wollten, zumindest innerhalb der Umzäunung, ohne Halfter und Strick. Und die, die auf der Weide zurückblieben schauen denen nach, die weggeführt werden. Da muss er doch noch mal schnell ein Maul voll Gras vom Wegrand abzupfen. Dann erst trabt er mit, denn sein Freund trabt nun auch. Vielleicht ist da auch schon ein wenig Neugierde wo es hingehen soll. Doch noch überwiegt die Abwehr, möglicherweise auch, weil er sich nun so bewegen muss wie es ein anderer von ihm will. Den Weg entlang. Noch ist die heimatliche Weide zu sehen, wenn er den Kopf wendet. Vielleicht doch noch ein Maul voll Gras? Aber da spürt er den Zug am Strick, zunächst sanft, doch nachdem er es weiterhin probiert, energischer. Nicht einmal zum Gras abzupfen darf man stehenbleiben. Das scheint ihm immer unsympathischer zu werden, zumal jetzt eine Biegung kommt. Nein, da wollen beide Esel nicht mehr weitergehen. Ein paar Schritte noch, und sie haben sich endgültig von der Sicht auf den Hof verabschiedet, betreten einen Wald. Außerdem ist jetzt schon genug gegangen. Es wäre doch an der Zeit wieder umzudrehen, doch die, die den Strick in der Hand haben, die lassen nicht locker, wollen unbedingt weitergehen. Es sind die ersten zehn Minuten, da versuchen sie es immer wieder, stehenbleiben und umdrehen, zurück in heimatliche Gefilde. Doch nach diesen ersten zehn Minuten, die wohl auch jeder kennt, der sich entschließt endlich einmal wieder laufen zu gehen, wo man gegen den Unwillen und der Versuchung sich wieder in die Bequemlichkeit zurückzuziehen, ankämpft, traben sie nun ganz brav neben uns her, lassen sich führen und scheinen auch Gefallen daran zu finden. Sie vertrauen sich an, ganz gleich wohin es geht, wie weit sich der Weg zieht, sie gehen mit. immer brav einen Hof vor den anderen setzend, ruhig und gelassen. Diese Gelassenheit greift über. Die Anspannung fällt ab, und auch wenn man mit diesem tierischen Gefährten nicht reden kann, so ist es doch etwas anderes als alleine zu gehen. Ein ruhiger, einsichtiger Begleiter, der weder auf Zeit noch auf irgendwelche Rekorde erpicht ist. Von selbst findet sich ein Tempo, das beiden angenehm ist, so dass die Landschaft nicht einfach an einem vorbeizieht, sondern aufgenommen und besehen werden kann. Gelassenheit dem Leben gegenüber für diese zwei Stunden, die wir nichts tun als miteinander zu gehen, zwischen Wäldern und Feldern, während die Sonne ihre Stahlen durch das dichte Laubwerk fallen lässt. Es gibt gerade nichts zu tun, außer hier zu gehen und hier zu sein. Warum also nicht gelassen sein und seine Gedanken fliegen lassen? Zunächst verharren sie in dem, was wir hinter uns gelassen haben, doch bald schon lösen sie sich. Man kommt früh genug zurück. Setzen sich nieder auf die Äste und Ähren, um sich noch ein wenig auszuruhen, bevor sie hinauffliegen, frei und ungezügelt. Sonst passiert es doch so oft, dass die Gedanken reglementiert werden, dass sie auf erprobte Wege gezwungen werden um Lösungen zu finden, für Probleme, die mit Althergebrachten nicht lösbar sind. Dennoch versuchen wir es immer wieder, ohne einen Schritt weiter zu kommen, doch wenn die Gedanken fliegen dürfen, dann finden sich plötzlich neue Wege, weil die Sicht weiter wird, und neue Zugänge entdeckt werden. Und der Strick in der Hand hängt lose herab. Wir gehen gemeinsam, der Esel und ich, bis wir wieder einbiegen auf den wohlvertrauten Weg, die Weide und die Gefährten in Hörweite kommen. Bald schon werden sie zu Hause sein, befreit von Halfter und Strick, machen sie als erst ein paar Freudensprünge auf der Weide, testen ob das Gras noch so schmeckt wie zuvor und begrüßen die Zurückgebliebenen. In ihrem kleinen Universum haben sie Abschied, Verlassen und Wiederkehren erlebt – und ich habe bei diesem gemeinsamen Gehen zu einer Ruhe und Gelassenheit gefunden, wie sie mir sonst selten möglich ist.

2307 Was bleibt von mir?


Was bleibt von mir?


Menschen treten in unser Leben. Manche bleiben nur kurz bevor sie sich wieder verabschieden. Andere wiederum begleiten uns eine weite Wegstrecke, doch irgendwann führen die Wege uns auch wieder auseinander. Manchmal fällt uns der Abschied leicht, vor allem, wenn er schleichend passiert. Geänderte Lebensumstände. Einer zieht weg, weit weg, und langsam, heimlich, still und leise schläft der Kontakt ein. Manchmal ist es schwer und wir leiden unter diesem Abschied, fühlen uns wie zerrissen, als hätte man einen Teil unserer Selbst entfernt. Eine schmerzhafte Wunde bleibt, die nur langsam verheilt. Manchmal ist so ein Abschied jedoch auch eine Entlastung, denn manche Menschen belasten uns und hindern uns an unserer Entwicklung. Doch dann gibt es immer wieder die ganz besonderen, die uns sanft an der Hand nehmen, die uns sein lassen, nicht einfach nur wie wir sind, denn das ist zu wenig, sondern die uns ermutigen zu wachsen, die uns unsere Möglichkeiten aufzeigen, so dass wir werden, was wir sein können. Doch wenn es so ist, dass Menschen in unser Leben treten, bloß um es wieder zu verlassen, wäre es dann nicht besser sich nicht zu begegnen, denn dann muss man auch den Schmerz nicht erleiden? Was bleibt von einer Begegnung, wenn sie vergangen ist?

Es bleibt die Erinnerung. Nicht, indem man rückwärtsgewandt daran festhält, sondern in Momenten, in denen Szenarien vergleichbar werden, ist da ein Satz, ein Wink, ein Fingerzeig, der uns daran erinnert wie man damit umgehen kann, damit der Umgang gelungen ist. Dann bist Du plötzlich wieder präsent. Du kannst noch so weit weg sein, in diesem Moment bist Du wieder bei mir. Hier bin ich mit Dir entlanggegangen. Hier hast Du mich auf eine Wolke aufmerksam gemacht, die die Form eines Pferdes hatte, zumindest mit viel Phantasie, und plötzlich weiß ich auch wieder was wir gesprochen haben, als würde ich daneben stehen und uns belauschen. Vielleicht huscht nun ein Lächeln über mein Gesicht, ein Lächeln der Freude, gewürzt mit ein wenig Wehmut. Denn sofort frage ich mich warum Du jetzt nicht da sein kannst. Vielleicht finden wir wieder eine Pferdchenwolke. Auch wenn Du irgendwie da bist. Aber ich freue mich auch, denn wenn ich mich Dir damals nicht geöffnet und mich nicht auf die Begegnung eingelassen hätte, so wäre mir nichts geblieben, so wäre nichts entstanden, was bleiben konnte. Du hast mich berührt, in Deiner Präsenz, und ganz gleich ob Du für immer gegangen bist, oder nur für eine kleine Weile, diese Berührung bleibt.

Was bleibt, wenn ich gehe? Gibt es etwas, was bleibt von mir? Gibt es etwas was wert ist von mir zu bleiben? Vielleicht sind es meine Geschichten, die immer noch berühren, die Menschen zueinander bringen und von der Wohltat dieses Zusammen-seins erzählen. Vielleicht bleibt die Berührung in den Menschen, denen ich begegnet bin, und wenn sie an mich denken, an die Zeit unseres Miteinanders, dann huscht hoffentlich ein Lächeln über ihr Gesicht, ein Lächeln der Freude, gewürzt mit ein klein wenig Wehmut. Das wäre es, was ich mir wünschte, dass von mir bliebe.

2408 Wenn der Mond durch die Wolken bricht ...


Wenn der Mond durch die Wolken bricht ...


Manchmal ist es leicht.
Dann wiege ich mich in dem Gedanken, dass Du mir nahe bist, trotz allem, irgendwo dort draußen, weit weg, und doch nahe. Es ist als würdest Du hinter mir stehen und wohlwollend auf mich sehen.
„Pass auf Dich auf!“, höre ich Dich sagen, wenn ich hinaufsteige auf die Gipfel um weiter zu sehen.
„Komm zurück um zu erzählen!“, meine ich zu vernehmen, wenn ich mich mir einen Weg bahne durch das unwegsame Dickicht.
„Es ist schön Dich lachen zu sehen!“, wage zu erahnen, wenn die Wärme mich noch einmal durchströmt.
Doch ich drehe mich nicht um. Du bist wie der Schatten, der sofort verschwindet, wenn sich die Wolken vor den Mond schieben und alles in undurchdringliches Dunkel taucht.
Und manchmal ist es schwer.

Manchmal ist es leicht.
Ich sitze unter dem Baum, unter jener Weide und schreibe. Völlig in den Moment versunken, in den Fluss meiner Worte, die sich einstellen, sobald ich aufhöre nach ihnen zu suchen. Es spricht durch mich. Ich weiß nicht was, eine Kraft, deren Quelle ich nicht kenne, und aus der ich doch schöpfe. Eine Gerichtetheit, deren Ausgangspunkt ich nicht zu finden vermag, und wohl auch nicht finden will. Still setzt Du Dich neben mich und bist einfach da. Nur so, wie der Baum und die Wiese und der See, und doch ganz anders. „Lass Dich fallen“, flüsterst Du mir zu, und ich bin einfach darin, unbewußt oder vorbewußt, beinahe unbeteiligt.
„Lass Dich ein und zu“, forderst Du mich auf, und ich bin versunken in die Unvermutetheit und Unbenutzbarkeit der Selbstverlorenheit, so weit, dass Dein Sprechen eins wird, mit dem mich Umgebenden, und doch mehr ist, Mehr als Alles.
Bis ich ebenso unvermittelt aus der Versunkenheit erwache. Nichts als ein Schatten. Nichts zu halten.
Und manchmal ist es schwer.

Manchmal ist es leicht.
Ich drehe mich. Das nasse Gras unter meinen Füßen. Die Arme weit ausgestreckt. Das Haar im Wind flatternd. Ich drehe mich, erst langsam, dann immer schneller. Mir wird schwindlig. Ich beachte es nicht, bis ich das Gleichgewicht verliere.
„Hör nicht auf“, sagst Du mir, und ich drehe mich weiter.
„Ich fange Dich auf“, versprichst Du mir, und ich vertraue auf Dein Wort.
„Schenk mir ein Stück Deiner Lebensfreude“, bittest Du Dir aus, und ich gebe sie Dir ganz, wie Du sie mir gibst.
Ich werde unsicher, strauchle, falle ins nasse Gras, und Du bist verschwunden, wie der Mond hinter den Wolken.  Alles nur Einbildung, geboren aus meinen Wünschen, die langgehegt, immer stärker werden, bis sie sich mit der Realität ununterscheidbar vermischen. Was habe ich geträumt? Was habe ich wirklich erlebt? Was habe ich mir ausgemalt? Was ist tatsächlich geschehen? Immer mehr gerät alles Durcheinander. Ein einziges Ineinander und sich Durchtränken.
Und manchmal ist es schwer.

Doch ob es nun leicht ist oder schwer, immer ist es gut, dass es ist, was doch war, dass es in mir ist, was nicht wird.

Wenn der Mond durch die Wolken bricht, dann schenkt er Dir sein warmes Licht ebenso wie mir, egal wo wir sind.