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3001 Weil Du nicht mehr da bist


Weil Du nicht mehr da bist


Ich lache nicht mehr. Es gibt nichts mehr zu lachen. Kein Recht und keine Begründung. Als wäre es infam und teilnahmslos. Oder einfach nur gedankenlos. Weil Du nicht mehr da bist und mein Lachen mit Dir ging. Und doch, ich werde wieder lachen, denn ich werde mich ertappen, dass Momente auftauchen, die einen Hauch von Dir mit sich tragen, ein Bild und eine Begebenheit, in der wir das Lachen teilten. Dann werde ich lachen. Weil es unser Lachen war. Und weil Du es so gewollt hättest, wenn Du nicht mehr da bist.

2201 Wozu bin ich?



Wozu bin ich?


„Ich habe lange nichts von Dir gehört“, sagte sie, und sah ihrer Freundin fest in die Augen. Doch diese wich ihrem Blick beharrlich aus.
„Es war keine Zeit“, entgegnete sie ausweichend, „Du weißt ja wie das ist, mit den Kindern und der Arbeit und dem Haushalt. Und eben mit allem.“
„Ja, das haben wir alle“, hielt sie entgegen, „Doch mal Hallo sagen und erzählen wie es Dir geht. Das wäre doch nicht so schwer. Dazu ist doch Zeit.“
„Meinst Du?“, fragte sie. Endlich lagen die Hände still, und der Blick fokussierte sich auf die Freundin, „Ja, vielleicht. Aber Du hast Dein eigenes Leben. Was hätte Dich das interessiert?“
„Ich dachte wir sind Freunde?“, meinte sie kopfschüttelnd, „Da interessiert man sich eben.“
„Niemand interessiert sich für mich“, erklärte sie hartnäckig, „Was hätte ich Dir sagen sollen? Was hätte ich Dir sagen können, was Dir einen Mehrwert gebracht hätte?

19.11. Zeiten-wende


Die Zeiten ändern sich, und das scheinbar immer schneller, dank des technischen Fortschritts. Das einzige Problem ist, dass der Mensch sich nicht ändert. Immer bleibt er gleich – mit menschlichem Gehirn und menschlichen Taten. Ohne Bewertung.

Seit zwei Millionen Jahren – genauer ist es leider nicht zu bekommen – bevölkert jetzt der Mensch die Erde. Zuerst, so darf man sich das mal vorstellen, unbedeutend und klein, vor allem im Vergleich zu den übermächtigen Dinosauriern, aber auch in der Anzahl. Hier und da wird es wohl passiert sein, dass man einem dieser Spezies begegnet ist, aber der Großteil der Erde war noch menschenfrei. Es menschelte noch nicht. Störte wohl auch nicht weiters, weder, dass es ihn gab noch, dass es ihn nur in so geringem Ausmaß gab. Das war die eigentliche narzisstische Kränkung des Menschen.

Denn da war keiner, der in Freudenjubel ausbrach wegen seiner bloßen Anwesenheit und niemand kam mit Kuchen zum Geburtstag, mit der ersten Kerze. Da wird sich wohl der erste Mensch gedacht haben: „Eines Tages, da werde ich die Welt beherrschen und dann werdet ihr blöden Dinosaurier ausgestorben sein und ich werde mir alles Erdreich Untertan machen.“ Da ging ein Lachen durch die Lande, und dieses Lachen, in das alle einstimmten, verbreitete eine solche Druckwelle, dass auf der Stelle alle Dinosaurier tot umfielen. Und das ist die ganze, nüchterne Wahrheit.

Doch was machte der Mensch damals, außer Essen besorgen, schlafen und sich fortpflanzen? Nichts, würde ich sagen. Er arbeitete heiße zwei Stunden pro Tag, und gab sich ansonsten dem Müßiggang hin. Doch er wollte mehr, und dann, seit der Erfindung des Rades, ging es Schlag auf Schlag. Vor allem wohl wegen der großen Disziplin bei der Fortpflanzung, Eine Erfindung folgte der anderen, Krieg um Krieg wurde erfochten, weil man dem Fortpflanzungswillen nicht eindämmen wollte und demzufolge immer mehr Land benötigte. Dann konnten die Lebensmittel gehortet werden, und das gipfelte in der Erfindung des Kühlschranks.

Und was tut der Mensch heute? Essen besorgen, indem er dafür arbeiten geht, schlafen und sich fortpflanzen. Dafür allein bräuchte er wahrscheinlich auch nicht mehr als zwei Stunden am Tag zu arbeiten, aber er muss ja all die Dinge mitbedenken, die rundherum noch vorhanden sind, sie zu erhalten und in Betrieb zu halten. Dabei ist es doch nur Beiwerk. Nichts hat sich geändert, nichts am Menschen, außer dem technischen Rundherum und die scheins unendlichen Möglichkeiten, die er einzig und allein dazu benutzt alles zu unterwerfen und mit seinen Abfällen zuzumüllen. So hat er seine Ankündigung von dereinst wahr gemacht.

Immer weiter ging der sogenannte Fortschritt voran, der den Hunger überwinden half, damit wieder Millionen Menschen verhungern, der den direkten Kampf Mann gegen Mann überwinden half, damit wir auf die Ferne töten können und der die sozialen Ungleichheiten immer mehr vertiefte. So viele Fortschritte, nur der Mensch entwickelte sich nicht weiter.

Vielleicht wäre es Zeit für eine echte Zeiten-wende, Zeit, dass wir dem technischen Fortschritt folgen und in unserem Mensch-sein fortschreiten, der ohne Wenn und Aber für die Menschenrechte eintritt, egal für wen, egal wo, der sich gegen Ungerechtigkeit und Unmenschlichkeit zur Wehr setzt und endlich versteht, dass die Welt eine Einheit bildet, eine Kugel, ohne Anfang und Ende.

Zeiten-wende, heißt einander zuzuwenden und zu verstehen, anzunehmen, ohne Einschränkungen und Abstriche.

Zeiten-wende hin zu einem Mensch-sein, das den Namen auch verdient.

Und die Welt, die retten wir dann ganz nebenbei, ohne dass wir darüber auch noch extra nachdenken müssten, denn dann passiert es einfach.

2708 Zulassen

Zulassen


Zulassen – Dich zu mir zu setzen, obwohl wir nichts voneinander wissen, außer vielleicht das Eine, das wir Menschen sind, die die Begegnung suchen, manchmal aus Langeweile oder bloßer Neugierde, manchmal aber auch um nicht unterzugehen im Sumpf der Isoliertheit und Ich-Verlorenheit.

Zulassen – Dich mir und mich Dir zuzusprechen, obwohl wir uns nicht zuvor sorgfältigst abgeklopft haben, uns vergewisserten, das Du es wert wärst, mein Vertrauen und meine Offenheit, doch wie sonst wäre Begegnung je möglich, ohne diese kleine Vorgabe.

Zulassen – Dich mir und mich Dir zu zeigen wie wir sind, obwohl es immer auch ein Wagnis ist, zu eröffnen und zuzulassen. Wie wirst Du damit umgehen, mit dem, was ich Dir entdecke, was ich Dir von mir erfahren lasse?

„Ich will Dich eintauchen lassen in meine Welt, die so ganz anders ist als Deine, und ich beginne damit: Hallo! Ich freue mich, dass Du hier bist.“, spreche ich mich Dir zu, während wir am Steg sitzen und den vollen, satten Mond sich im Wasser spiegeln sehen.
„Ja, ich bin hier, und doch, ich sollte es nicht sein, hier, wo alles so fremd ist, wo ich mich an nichts halten kann als an das Versprechen, das Du mir gibst.“, entgegnetest Du skeptisch.
„Ich weiß, es werden Spiele gespielt, woanders, Spiele mit Menschen, bei denen es Gewinner und Verlierer gibt, Kampf- und Machtspiele, Spiele um Prestige und Ansehen, Spiele um Interessen und Eigennutz, doch hier gibt es keine Spiele, nicht um Dich oder mich, nicht um den Preis des Miteinander.“, gebe ich zurück.
„Warum sollte ich Dir glauben? Worauf hin sollte ich Dir mein Vertrauen schenken, wo ich nichts habe als Dein Wort, wo ich auf nichts bauen kann als auf Deine Zusicherung, und wie wankelmütig sind doch die Menschen. Oder willst Du von Dir behaupten, dass Du noch nie enttäuscht hast?“, entgegnetest Du, logisch und nachvollziehbar.
„Ich behaupte nichts von mir, nur das, was Du an mir erlebst, so wie ich keine Vermutungen über Dich anstelle und nur das annehme, was Du mich von Dir erleben läßt, um es mir zu bewahren, vor der Welt, vor den anderen. Aber Sicherheit, nein, die kann es niemals geben.“, entgegnete ich nachdenklich.

Zulassen – haben denn Träume Schranken, so lange sie Träume sein dürfen.

Zulassen – kannst Du der Hoffnung Grenzen setzen ohne sie zu zerstören.

Zulassen – Sehnsucht, die in ihrem Wesen mich erfüllt und zu mir spricht, dass ich mich Dir zuwenden möchte, kann sie denn eingefriedet werden.

Zulassen – Staunen, dass Du bist in Deiner Einzigartigkeit und Unbestimmtheit und auch Unvorhersehbarkeit, wie könnte ich Abstriche machen ohne Dich zu verlieren noch bevor ich Dich wirklich gefunden habe.

Zulassen – Wachsen, das mir Deine Zutrauen und Deine Zuwendung ermöglicht, kann es denn begradigt werden, ohne seine Eigenständigkeit zu verlieren.

Zulassen – Zuneigung, die uns zueinander führt, uns die Hand zu reichen, einander zu stärken und zu begleiten, kann sie denn ein Maß haben, das sie kennbar macht, ohne zu enteignen.

Zulassen – Dich und mich im Wir!

0408 Eine Verwechslung? (Teil 1)


Eine Verwechslung? (Teil 1)


Nyx sitzt auf ihrem Steg am See direkt vor der Burg, in die sie sich vor langer Zeit zurückgezogen hat und denkt nach. Ihr langes schwarzes Haar flattert sanft im Wind. Die Luft ist lau und anschmiegsam. Doch sie bemerkt es nicht, denn sie ist in diesen Gedanken versunken, in etwas, das sie nicht versteht. Sie sucht und sucht nach etwas, was sie vergessen hat oder einen Fehler, den sie gemacht hat. Denn sie gehört zu den Menschen, die prinzipiell davon ausgehen, dass sie den Fehler begangen haben, und nicht die anderen, irgendwer. Und wenn es doch der andere war, so haben sie ihn einfach nur nicht davon abgehalten. Dabei hatte alles so wunderbar begonnen. Nyx hatte nichts weiter gemacht als eine Geschichte erzählt, eine Geschichte rund um Sehnsucht und Liebe. Postwendend war ein Kommentar gekommen. Darüber freute sie sich, denn dieser Kommentar ging auf ihre Geschichte ein, spann sie fort und endete mit den Worten:

„Du hast mir in die Seele geblickt und unsere Geschichte erzählt.“

Ja, sie hatte eine Geschichte erzählt, die sie „unsere“ nennen konnte, doch das war eine zwischen ihr und einer Vertrauten, die sie nicht namentlich erwähnte. Aber vielleicht meinte der Kommentator seine Geschichte, die er „unsere“ nannte, seine eigene Geschichte, die er in ihrer wiederfand. Das kam vor, denn Geschichten rund um Sehnsucht und Liebe sind sich in so vielem ähnlich. Genau das musste es sein. Nyx entschied sich für diese Interpretationsmöglichkeit und antwortete entsprechend, denn sie kannte ihn nicht.

„Das freut mich sehr, dass Du Dich darin wiederfindest.“

Nyx war es sich zufrieden, denn sie war überzeugt davon, sie hatte es richtig verstanden, doch diese Selbstzufriedenheit über das Verstehen hielt nicht lange an, eigentlich nur bis zum nächsten Kommentar.

„Natürlich finde ich mich darin wieder, Du Dummerchen, denn es ist ja unsere Geschichte, Deine und meine. Du kannst Dich hinter welchem Pseudonym auch immer verstecken, ich werde Dich immer erkennen, denn Dein Erzählen ist einzigartig.“

Nyx war schockiert. Was war nur passiert? Was hatte sie getan? Nein, das konnte nur eine Verwechslung sein, doch er klang so überzeugend. Vielleicht stimmte es ja, dass es dort draußen jemanden gab, die ihr ähnlich war, aber so sehr.  Dennoch versuchte sie es nochmals, wollte sie doch keine falschen Hoffnungen wecken.

„Ich bin nicht die, für die Du mich hältst. Es tut mir leid.“

Damit müsste das Missverständnis doch endlich aus der Welt sein, dachte sie zumindest, doch er setzte noch einen drauf.

„Das Herz irrt nicht. Es ist mir schon klar warum Du Dich versteckst, denn Du fürchtest unsere Feinde, die uns verfolgen von Anbeginn an, und Du fürchtest sie, weil Du um mich bangst. Doch Du musst keine Sorge haben. Ich habe sie alle besiegt, und ich kann mich nun unbehelligt auf den Weg zu Dir machen. Zuerst dachte ich, Du liebtest mich nicht mehr, bis mir klar wurde, dass Du all diese Vorsichtsmaßnahmen nur um meinetwillen vornimmst, doch es ist alles geregelt, denn ich habe viel mächtigere Freunde als ich Feinde habe. Also sorge Dich nicht, und komm zu dem Ort, an dem wir uns zum ersten Mal trafen, dort am Wasser in unserer Stadt, die wir nun zurückgewonnen haben. Du, meine Liebste, alles hast Du nur für mich getan. Jetzt werde ich für Dich da sein.“

Und nun sitzt sie am Steg und weiß nicht weiter. Es ist ihr, als wäre sie in eine fremde Welt, in ein fremdes Miteinander eingebrochen, oder besser gesagt, eingebrochen worden, und nun findet sie keinen Weg heraus. Warum ist es so schwer verstanden zu werden? Doch dann schreibt sie das einzige, was sie noch schreiben kann:

„Ich bin nicht sie. Ich wünschte, Du würdest sie finden, aber ich bin es nicht.“

Damit würde nun endlich alles klar sein, alles Missverständnisse endgültig beseitigt, denkt Nyx, als sie aufsteht um ins Bett zu gehen.

2408 Wenn der Mond durch die Wolken bricht ...


Wenn der Mond durch die Wolken bricht ...


Manchmal ist es leicht.
Dann wiege ich mich in dem Gedanken, dass Du mir nahe bist, trotz allem, irgendwo dort draußen, weit weg, und doch nahe. Es ist als würdest Du hinter mir stehen und wohlwollend auf mich sehen.
„Pass auf Dich auf!“, höre ich Dich sagen, wenn ich hinaufsteige auf die Gipfel um weiter zu sehen.
„Komm zurück um zu erzählen!“, meine ich zu vernehmen, wenn ich mich mir einen Weg bahne durch das unwegsame Dickicht.
„Es ist schön Dich lachen zu sehen!“, wage zu erahnen, wenn die Wärme mich noch einmal durchströmt.
Doch ich drehe mich nicht um. Du bist wie der Schatten, der sofort verschwindet, wenn sich die Wolken vor den Mond schieben und alles in undurchdringliches Dunkel taucht.
Und manchmal ist es schwer.

Manchmal ist es leicht.
Ich sitze unter dem Baum, unter jener Weide und schreibe. Völlig in den Moment versunken, in den Fluss meiner Worte, die sich einstellen, sobald ich aufhöre nach ihnen zu suchen. Es spricht durch mich. Ich weiß nicht was, eine Kraft, deren Quelle ich nicht kenne, und aus der ich doch schöpfe. Eine Gerichtetheit, deren Ausgangspunkt ich nicht zu finden vermag, und wohl auch nicht finden will. Still setzt Du Dich neben mich und bist einfach da. Nur so, wie der Baum und die Wiese und der See, und doch ganz anders. „Lass Dich fallen“, flüsterst Du mir zu, und ich bin einfach darin, unbewußt oder vorbewußt, beinahe unbeteiligt.
„Lass Dich ein und zu“, forderst Du mich auf, und ich bin versunken in die Unvermutetheit und Unbenutzbarkeit der Selbstverlorenheit, so weit, dass Dein Sprechen eins wird, mit dem mich Umgebenden, und doch mehr ist, Mehr als Alles.
Bis ich ebenso unvermittelt aus der Versunkenheit erwache. Nichts als ein Schatten. Nichts zu halten.
Und manchmal ist es schwer.

Manchmal ist es leicht.
Ich drehe mich. Das nasse Gras unter meinen Füßen. Die Arme weit ausgestreckt. Das Haar im Wind flatternd. Ich drehe mich, erst langsam, dann immer schneller. Mir wird schwindlig. Ich beachte es nicht, bis ich das Gleichgewicht verliere.
„Hör nicht auf“, sagst Du mir, und ich drehe mich weiter.
„Ich fange Dich auf“, versprichst Du mir, und ich vertraue auf Dein Wort.
„Schenk mir ein Stück Deiner Lebensfreude“, bittest Du Dir aus, und ich gebe sie Dir ganz, wie Du sie mir gibst.
Ich werde unsicher, strauchle, falle ins nasse Gras, und Du bist verschwunden, wie der Mond hinter den Wolken.  Alles nur Einbildung, geboren aus meinen Wünschen, die langgehegt, immer stärker werden, bis sie sich mit der Realität ununterscheidbar vermischen. Was habe ich geträumt? Was habe ich wirklich erlebt? Was habe ich mir ausgemalt? Was ist tatsächlich geschehen? Immer mehr gerät alles Durcheinander. Ein einziges Ineinander und sich Durchtränken.
Und manchmal ist es schwer.

Doch ob es nun leicht ist oder schwer, immer ist es gut, dass es ist, was doch war, dass es in mir ist, was nicht wird.

Wenn der Mond durch die Wolken bricht, dann schenkt er Dir sein warmes Licht ebenso wie mir, egal wo wir sind.