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3001 Weil Du nicht mehr da bist


Weil Du nicht mehr da bist


Ich lache nicht mehr. Es gibt nichts mehr zu lachen. Kein Recht und keine Begründung. Als wäre es infam und teilnahmslos. Oder einfach nur gedankenlos. Weil Du nicht mehr da bist und mein Lachen mit Dir ging. Und doch, ich werde wieder lachen, denn ich werde mich ertappen, dass Momente auftauchen, die einen Hauch von Dir mit sich tragen, ein Bild und eine Begebenheit, in der wir das Lachen teilten. Dann werde ich lachen. Weil es unser Lachen war. Und weil Du es so gewollt hättest, wenn Du nicht mehr da bist.

2101 Wenn Du gehen willst, dann schließe die Türe zu


Wenn Du gehst, dann schließe die Türe zu


Unsere Lebensumstände haben sich geändert. Alles ist anders. Ich habe mich verändert. Ich bin nicht mehr so. So wie damals eben. Du hast Dich nicht verändert. Sagst Du. Du bleibst immer gleich. Das nennst Du Verlässlichkeit. Ich nenne es Langeweile. Ende des Lebens mittendrinnen. Du verstehst es nicht. Aber Du kommst nicht mehr damit zurecht, dass es so ist. Lange hättest Du es versucht, aber jetzt geht es nicht mehr. Ich dachte wir kriegen das hin. Wir haben es doch immer noch hingekriegt. Trotz all der Jahre. Ich glaube es immer noch nicht. Du glaubst es nicht. Vielleicht, meinst Du, dass es sein könnte. Du weißt es nicht. Du willst es herausfinden. Nachdenken. Dir klar werden. Du willst sehen wie es ist, wenn Du nicht mehr da bist.

Vielleicht gehst Du, denn die Türe steht offen.

Wir finden nicht mehr zueinander. Sagst Du. Unsere Lebenswege kreuzen sich nur mehr durch Zufall, nicht mehr aufgrund von Interesse. Was haben wir gemeinsam? Du meinst, es ist nichts geblieben. Ich sage, man kann es neu entdecken, wenn man will. Aber Du bist in Deiner Bahn. Du änderst Dich nicht. Ich mich schon. Veränderung ist schlecht. Du kannst es nicht anders machen. Du willst nichts Neues entdecken. Du willst Dich nicht einlassen. Deshalb darf ich das auch nicht. Wenn ich es tue, dann muss ich mit Konsequenzen rechnen. Nimm die Stricknadeln. Das Klappern ist vertraut. Nicht das Andere, das vorher nicht war, und das Du nicht willst, weil es nicht da sein darf. Nur das was immer war. Ich frage Dich was immer war. In unserer Geschichte. Nichts war immer. Alles kam. Auch das Neue, das jetzt schon gewohnt ist, aber irgendwann war es eben neu. Du siehst es nicht so. Entweder war es immer oder eben nicht. Ein stringentes Weltbild. Meines ist Dir suspekt, mit den Veränderungen. Du willst Kontinuität bewahren. Das geht mit mir nicht.

Du gehst, weil die Türe offen steht.

Das Leben hat uns gelehrt. Dich anders als mich. Oder war es die Einstellung die anders war. Wenn ich mit meinen Lebensumständen nicht zufrieden bin, dann muss ich sie ändern. Wenn Du mit Deinen Lebensumständen nicht zufrieden bist, dann jammerst Du, und siehst sie doch als unabänderlich. Es gibt daran nichts zu rütteln. Ich frage nach. Ich soll nicht so viel fragen. Ich stelle in Frage. Ich soll es bleiben lassen. Es gibt nichts zu Hinterfragen. Im Großen und Ganzen ist es ja gut wie es ist. Immer der selbe Trott. Dazwischen wird eben ein wenig gejammert. Arbeit ist Leid. Freude geht aufs Wochenende. Arbeit muss nicht Leid sein. Doch meinst Du, und freust Dich auf die Freizeit. Dann gehst Du. Du bist nicht da. Warst es eigentlich nie. Niemals da. Bloß ein Ort für einen Zwischenstopp. Ich stand zur Verfügung. Jetzt nicht mehr. Eine weitere Veränderung, die Du nicht verstehst. Man muss sich aufs Verstehen einlassen, die Augen, die Hände, das Herz und den Kopf öffnen. Du bleibst verschlossen. Leichter ist es eine Türe zu öffnen.

Wenn Du gehst, dann bleib nicht auf halbem Wege stehen.

Erst am Ende ist es vorbei. Daran glaube ich nach wie vor. Verloren ist nichts. Außer wenn wir es verloren geben. Es gilt zu akzeptieren. Auch wenn ich es nicht verstehe. Die Zeit schlägt Wunden und heilt sie. Wir schlagen uns Wunden und wir können sie heilen. Oder sie kultivieren und uns lustvoll daran weiden. Es ist nicht mein Weg. Hier zu sein. Das ist mein Anliegen. Nicht im Gestern. Nicht im Morgen. Es ist völlig egal was in zwanzig Jahren ist. Du siehst mich an, und ich weiß, dass Deine Entscheidung gefallen ist. Auch wenn Du es nicht sagst. Auch, wenn ich es nicht verstehe. Aber ich sehe es. Wenn Du eine Entscheidung triffst, dann steh dazu und trag sie durch. Du kannst Dir nicht alle Optionen offen halten. Du kannst nicht gehen, und von mir erwarten, dass ich den Platz für Dich warm halte, falls Du doch nochmals kommst. Wenn Du gehst, dann mach es ganz.

Wenn Du gehst, dann schließ die Türe zu.

1912 Adventgeschichte: Das gewebte Bild (19):


Ein Abschluss


„Ich habe den Eindruck, Du gehst Deiner Verantwortung aus dem Weg“, sagte Uwe zu Maria an diesem neuen Tag.
„Wie kommst Du darauf?“, entgegnete Maria ausweichend, „Ich mache doch alles was zu machen ist.“
„Nein, das meine ich nicht, und das weißt Du ganz genau“, erwiderte Uwe, „Da steht nun Dein Auto und darin liegen Dein Handy und Dein Laptop. Du hast seit fast drei Wochen weder telephoniert noch E-Mails abgerufen noch sonst irgendwas erledigt.“
„Das hat alles Zeit“, versuchte Maria es zu bagatellisieren, unterstützt von einer wegwerfenden Handbewegung.
„Wenn Du eine Entscheidung triffst, oder besser getroffen hast, dann musst Du sie auch leben. Sonst holen Dich die nicht erledigten Dinge immer wieder ein“, meinte Uwe, „Und vor allem, es ist wichtig alles in Ordnung zu hinterlassen. Aber wer weiß, vielleicht machst Du es nur deshalb nicht, weil Du Dir noch nicht sicher bist.“
„Natürlich bin ich mir sicher!“, erwiderte Maria heftig, wohl ein wenig zu heftig. Sie fühlte sich bei einer Nachlässigkeit ertappt. Aber sie wusste, es würde nicht leicht sein.

"Die Pianobar" (Eine Leseprobe)

Prolog


Mein Name ist Anna Marx. Ich bin im Marketing beschäftigt, doch nur als Überbrückung und weil es mir der einzig mögliche Platz schien meine Kreativität auszuleben. Doch meine eigentliche Leidenschaft sind die Bücher, oder besser gesagt, jede Art von Texten. So weit ich zurückdenken kann, sehe ich mich immer nur lesend. Irgendwann begann ich meine eigenen Texte zu verfassen, weil mir das Geschriebene, das ich vorfand, zu wenig war. Es war nicht mehr das, was ich suchte. Meine Leidenschaft ließ nicht nach. Sie wurde nur präzisier. Ich war es immer und werde immer davon überzeugt sein, dass Bücher etwas bewirken in unserem Leben. Zu Anfang erweiterten sie meinen Horizont, indem ich Geschichten durchlebte, die nicht meine waren, niemals meine sein konnten, und doch durfte ich sie miterleben, über Zeiten und Weiten hinweg, eintauchen in fremde Welten und Gedanken, mein eigenes Leben für ein paar Stunden hinter mir lassend.

Ich wurde älter, wie das die Zeit eben so mit sich bringt, und manchmal zweifelte ich an der Sinnhaftigkeit meiner Leidenschaft, doch dann fand ich dieses Buch, das mir meinen Glauben mit einem Schlag wiederschenkte, meinen Glauben an die Schicksalhaftigkeit von Büchern.

Ich hatte es gefunden, weil es für mich bestimmt war, und zwar genau an diesem Tag, genau zu dieser Stunde. Irgendwer hatte es selbst gefunden oder vielleicht war es auch der Trödler, hatte es zwischen all die anderen Bücher gestellt, als wäre es wie alle anderen. Er hat es sich wohl nicht allzu genau angesehen, denn hätte er es getan, dann hätte er sofort festgestellt, dass es ganz und gar nicht so war wie alle anderen. Zunächst einmal war es mit der Hand geschrieben, aber auch kunstvoll in Leder gebunden. Aber vielleicht hatte auch das so sein sollen, diese Missachtung.

Wer weiß wie viele Menschen es schon vor mir in Händen gehalten hatten, wie viele Menschen es nicht in ihrem Wert erkannt hatten. Aber wohl, auch sie konnten es nicht, denn es war für mich bestimmt oder zumindest für jemanden, der sich davon ansprechen ließ, den es zum Handeln anregte. Es war dazu ausersehen in meine Hände zu fallen, auf dass ich es lese und entsprechend auf das Gelesene reagiere. Natürlich kann man immer noch sagen, bloßer Zufall.

Es gibt Menschen, die halten alles bloß für Zufall. Und wenn man ihnen hunderte Beispiele bringt. Dann sagen sie immer noch, es seien doch nur Einzelfälle. Natürlich sind sie das, sonst wäre es ja auch nichts Besonderes. Sie sind allerdings sogar mehr als bloß Einzelfälle, sie sind einzigartig, jedes in seiner Art. Und wenn ich von einem Haus träume, einem Haus, das ganz anders aussieht als alle anderen, und wenn ich dieses Haus auch noch finde, sofort weiß, ich kenne es nicht nur aus meinem Traum, nein, ich war schon einmal hier, vor meiner Zeit, dann schütteln sie bloß den Kopf und nennen es Humbug.

Manche jedoch, die wissen worum es geht, und die wissen, dass es etwas Verbindendes gibt über Zeiten und Welten hinweg, etwas, in das wir eingesponnen sind, mit dem wir verknüpft sind. Die verstehen, dass mir das Buch ein Auftrag war, den ich gemeinsam mit meinem besten Freund, Karl Bonai, seines Zeichens Controller und nebenbei virtuoser Pianist, zu erfüllen gedachte.

Auch er gehörte zunächst zu denen, die sich skeptisch gezeigt hätten, doch er blieb trotz allem an meiner Seite und ließ sich ein, trotz aller Bedenken und Vorbehalte. Schlussendlich musste er zugeben, dass es doch manchmal so sein könnte, wie ich mir in meinem literaturzersetzten Gehirn zusammenreime. Zumindest dieses eine Mal müsste er eingestehen, dass ich recht hatte. Was aber noch lange nicht bedeuten soll, dass er nun bereit sei, solche Phänomene uneingeschränkt und ohne jede weitere Vorbehalte anzuerkennen, sondern nur, und die Betonung liegt auf nur, in diesem einen, einzigen spezifischen Fall tatsächlich so sein hätte können. Oder es könnte auch trotzdem Zufall sein und es hat sich alles andere aus unserer mentalen Arbeit ergeben. Aber letztlich spielt das auch keine Rolle.

Denn es ist wie das ist, sagt die Liebe, und auch das Leben schert sich grundsätzlich einen Dreck um unsere, im Vergleich zu diesem, vernachlässigbaren geistigen Leistungen. Aber das Buch ließ uns eine Aufgabe zukommen – welche das war und wie wir sie erfüllten, das könnt ihr hier nachlesen:

Die Pianobar

2307 Was bleibt von mir?


Was bleibt von mir?


Menschen treten in unser Leben. Manche bleiben nur kurz bevor sie sich wieder verabschieden. Andere wiederum begleiten uns eine weite Wegstrecke, doch irgendwann führen die Wege uns auch wieder auseinander. Manchmal fällt uns der Abschied leicht, vor allem, wenn er schleichend passiert. Geänderte Lebensumstände. Einer zieht weg, weit weg, und langsam, heimlich, still und leise schläft der Kontakt ein. Manchmal ist es schwer und wir leiden unter diesem Abschied, fühlen uns wie zerrissen, als hätte man einen Teil unserer Selbst entfernt. Eine schmerzhafte Wunde bleibt, die nur langsam verheilt. Manchmal ist so ein Abschied jedoch auch eine Entlastung, denn manche Menschen belasten uns und hindern uns an unserer Entwicklung. Doch dann gibt es immer wieder die ganz besonderen, die uns sanft an der Hand nehmen, die uns sein lassen, nicht einfach nur wie wir sind, denn das ist zu wenig, sondern die uns ermutigen zu wachsen, die uns unsere Möglichkeiten aufzeigen, so dass wir werden, was wir sein können. Doch wenn es so ist, dass Menschen in unser Leben treten, bloß um es wieder zu verlassen, wäre es dann nicht besser sich nicht zu begegnen, denn dann muss man auch den Schmerz nicht erleiden? Was bleibt von einer Begegnung, wenn sie vergangen ist?

Es bleibt die Erinnerung. Nicht, indem man rückwärtsgewandt daran festhält, sondern in Momenten, in denen Szenarien vergleichbar werden, ist da ein Satz, ein Wink, ein Fingerzeig, der uns daran erinnert wie man damit umgehen kann, damit der Umgang gelungen ist. Dann bist Du plötzlich wieder präsent. Du kannst noch so weit weg sein, in diesem Moment bist Du wieder bei mir. Hier bin ich mit Dir entlanggegangen. Hier hast Du mich auf eine Wolke aufmerksam gemacht, die die Form eines Pferdes hatte, zumindest mit viel Phantasie, und plötzlich weiß ich auch wieder was wir gesprochen haben, als würde ich daneben stehen und uns belauschen. Vielleicht huscht nun ein Lächeln über mein Gesicht, ein Lächeln der Freude, gewürzt mit ein wenig Wehmut. Denn sofort frage ich mich warum Du jetzt nicht da sein kannst. Vielleicht finden wir wieder eine Pferdchenwolke. Auch wenn Du irgendwie da bist. Aber ich freue mich auch, denn wenn ich mich Dir damals nicht geöffnet und mich nicht auf die Begegnung eingelassen hätte, so wäre mir nichts geblieben, so wäre nichts entstanden, was bleiben konnte. Du hast mich berührt, in Deiner Präsenz, und ganz gleich ob Du für immer gegangen bist, oder nur für eine kleine Weile, diese Berührung bleibt.

Was bleibt, wenn ich gehe? Gibt es etwas, was bleibt von mir? Gibt es etwas was wert ist von mir zu bleiben? Vielleicht sind es meine Geschichten, die immer noch berühren, die Menschen zueinander bringen und von der Wohltat dieses Zusammen-seins erzählen. Vielleicht bleibt die Berührung in den Menschen, denen ich begegnet bin, und wenn sie an mich denken, an die Zeit unseres Miteinanders, dann huscht hoffentlich ein Lächeln über ihr Gesicht, ein Lächeln der Freude, gewürzt mit ein klein wenig Wehmut. Das wäre es, was ich mir wünschte, dass von mir bliebe.